Wie viele Zeugnisse gibt es noch aus dem Einrichtungshaus Dietler?

Woher die Dietlerpassage in Freiburgs Innenstadt ihren Namen hat, ist sicherlich sehr vielen Freiburgern bekannt: Vom ehemaligen Einrichtungshaus, das sich ganz in der Nähe zur heutigen Einkaufspassage befand. Es muss gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur bereits ansässigen Bauschreinerei bzw. Hofmöbelfabrik Dietler Freiburg, als nobles Verkaufs- und Ausstellungshaus entstanden sein. Einige wenige Bürger erinnern sich noch, unter anderem auch daran, dass edle Dinge wie Stoffe im Ausland eingekauft wurden. Von städtischer Seite wurde uns bestätigt, dass bei der Zerstörung 1944 auch alle Dokumente, Papiere, Einrichtungskataloge etc. verloren gingen.

Wer in den hintersten Winkeln seiner vier Wände auf irgendwelche kleinen Dokumente bezüglich der Hofmöbelfabrik Dietler Freiburg stößt und in Begriff ist, diese zu entsorgen oder gar ausrangierte, wenig beachtete (Klein-)Möbel besitzt, der möge diese erhalten. Eine Lücke könnte im Interesse der Geschichte Freiburgs etwas minimiert werden. Nach unserer Kenntnis scheint es in den städtischen Archiven, Büchereien und Museen nur noch sehr wenige Zeugnisse der Hofmöbelfabrik A. Dietler Freiburg zu geben…

Historische Möbel aus der Hofmöbelfabrik Dietler zur Restaurierung

Um so bedeutender erscheint es, dass hin und wieder Originalmöbel aus der Hofmöbelfabrik Dietler im Freiburger bzw. südbadischen Raum vorhanden sind. Zwei Tischmöbel befanden sich bisher in unseren Werkstätten zur Restaurierung. Trotz der Unterschiede (Ein Schreibtisch, Privatbesitz Raum Freiburg und ein Schminktisch, Privatbesitz Raum Lörrach) war auf eindrucksvolle Weise die gleiche „Handschrift“ zu erkennen. Wobei mit „Handschrift“ im Grunde genau das Gegenteil gemeint ist; es sind die gleichen, schon vollständig maschinell hergestellten Innenteile und deren baugleiche Konstruktionen. Beide Möbel waren übrigens hinsichtlich der Qualität und Stabilität in einwandfreiem Zustand; die Restaurierung beschränkte sich auf äußere Umstände wie Gebrauchsschäden, Rücknahme jüngerer Lacke und ersetzen fehlender Ledereinlagen.

Schreibtisch mit klarer Linienführung – „neue Sachlichkeit“, Eichenholz

Es ging fast ausschließlich um die Rückführung in den ursprünglichen Zustand – soweit noch erkennbar; dazu gehörte vor allem die Entnahme der breiteren Tischplatte. Die leere Aussparung erlaubte aufgrund fehlender Reste oder Katalogbilder die „freie“ Wahl eines hochwertigen Echtleders. Die gesamte Oberfläche war vor einigen Jahrzehnten vollständig lackiert worden; der Lack hatte durch Sonneneinstrahlung nahezu keine Haftung mehr am Holz und war milchig-grün bzw. stumpf. Dieser wurde entfernt und durch eine offenporige Hartölmischung ersetzt (siehe hierzu separaten Beitrag).

Schminktisch mit ovalem Spiegel, Nussbaumholz

Hinsichtlich der Konstruktion und Eckverbindungen war auch dieses Möbel in einem besonders guten Zustand. Auch hier war es die Oberfläche, die verändert worden war; es befand sich ein gröber aufgetragener Überzug, der das Nussbaumholz wie Mahagoni wirken lassen sollte, darüber. Der Schminktisch gehört übrigens zu einem Ensemble, welches aus zwei Betten, einer Schrankwand, Nachttischen und dem Schminktisch besteht. Die anderen Möbel waren in jüngster Zeit bereits von dem dunklen Überzug befreit und lackiert worden. Der Kundenwunsch bestand folglich darin, die Oberfläche optisch daran anzuschließen.