Sind Kitte in der Restaurierung und andere Holzersatzmittel verpönt?

Bei allen Restaurierungsarbeiten muss der eigentliche Grundsatz im Blickfeld bleiben: Soviel Originalsubstanz wie möglich zu erhalten. Beim hier aufgeführten Beispiel war die Unterkante einer Nussbaum-Glas-Vitrine sehr stark beschädigt. Gleichzeitig war das noch vorhandene Furnier nahezu papierdünn. Um an dieser (durch Besen und Staubsauger) stoßgefärdeten Stelle eine stabile Grundlage aus Holz zu schaffen, müsste also zunächst viel Originalsubstanz bis auf tragfähige Flächen entfernt werden.

Der besonders lebhafte Verlauf der Maserung ist darüber hinaus so schwer zu treffen, dass eine Anstückelung mit weiteren Furnierstückchen auch unter ästhetischen Gesichtspunkten unbefriedigend wäre.

An diesem Beispiel war ein gut haftender und stoßfester Kitt die bessere Wahl – nicht nur aus optischen Gründen, sondern das fragile Furnier wird gleichzeitig gesichert bzw. im weitesten Sinne konseviert. Die Masse wurde speziell angesetzt und enthält u.a. sogenannte „Microbaloons“; winzig kleine Glaskügelchen. Diese sorgen zunächst für die dunkle Färbung.

Wie auch in der Gemälderestaurierung üblich, lassen sich dunkle Kitte in der Restaurierung gut retuschieren, wenn zunächst in helleren Tönen vorgelegt wird. Erst danach beginnt die eigentliche Retusche, die das Nachempfinden der Holzmaserung sehr gut ermöglicht und die Ergänzung somit nahezu unsichtbar macht.

Die Anwendung von Kitt bzw. Holzkitt kann im Einzelfall unter restauratorischen und konservatorischen Gesichtspunkten also auch sinnvoll und legitim sein.

(Nach der lokalen Konsolidierung der Unterkante und anderen restauratorischen Maßnahmen wurde der gesamte Schrank aufpoliert bzw. dessen Oberfläche regeneriert).