Maßwerk, Bandelwerk, Filiale, Kapitell & Co.

Dieser Glossar soll lediglich einige gängige Begriffe aus unterschiedlichen Kunstepochen zu den Themen historische Möbeln, Schmuckelemente oder Formen geben.

Selbstverständlich erheben wir hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit und die Beschreibungen sind jeweils in kurze, eigene Worte gefasst:

Aachen-Lütticher Schränke: Rokoko-Schränke aus Eichenholz mit feinen reliefartigen Schnitzereien.

Abakus: Deckplatte eines Kapitells.

Appliken: Angeleimte oder anders aufgebrachte Schnitzereien.

Arabeske: „arabische Verzierung“ aus griech.-röm. Antike rankenförmige Verzierung, Ornament, i.e.S. stilisiertes Blattrankenornament, das sich aufgrund des islamischen Bilderverbotes weit verbreitet.

Architrav: der, (auch Epistyl): unterster Teil des Gebälkes das direkt auf dem Kapitell einer griechischen Säule aufliegt.

Balloon-Back Stühle: eine der bekanntesten Formen beiderseits des Atlantiks im 19. Jh. Entwickelte sich aus den Esszimmerstühlen des späten Regency und William III. Die Rückenlehne erinnert oben an bestimmte Chippendale-Stühle.

Balustrade: Brüstung aus gedrungenen, stark profilierten Säulen (Balustern, Docken); häufig in der Renaissance und im Barock.

Baluster: kleines, bauchiges Säulchen, z.B. an Geländern.

Bandelwerk: Verflechtung von bandartig flach-erhabenen Streifen zu Ornamenten, besonders in der Renaissance, im Barock und Rokoko; hier auch in der Schmiedekunst (Balkongitter…).

Beschlagwerk, Beschlagornament: Ornamentform in der Renaissance, die im Ggs. zum Rollwerk flach auf einer Fläche liegt. Arabesk-artig.

Bims, Bimsstein: helles, aus Kieselsäure- und gasreicher Lava schaumig erstarrtes Gesteinsglas. Ausgeworfene Lavafetzen werden abgelagert als Bimssand und Bimskies, verfestige als Bimstuff.

Birnstäbe: oft scharfkantige, im Querschnitt birnenförmige Profilstäbe, v.a. in der Gotik.

Bisellium: Banksitz, „Zweisitziger, reich verzierter Ehrenstuhl“.

Cabriole: Möbelbeinform, die oben nach außen, unten nach innen schwingt (z.B. Cabriol-Tischbein).

Cassone: Truhenart, „Hochzeitstruhe“ (15. / 16. Jh.).

Dreistrahl: von einer Mitte nach drei Seiten hin ausgehende Lanzetten (Gotik) vgl. Dreipass.

Dressoir: Schautisch, „Anrichte“, ein v.a. in der Gotik auftauchendes Möbel.

Drolerie: lustige Darstellungen von Menschen, Tieren, Fabelwesen in der Gotik.

Early English: Bezeichnung für die englische Frühgotik. Starke Längenerstreckung der Kirchenschiffe, Betonung der Horizontalen. Vgl. decorated style und perpendicular style.

Echinus: „Kissen“ unterster Teil eines Kapitells.

Eierstab: Zierleiste aus abwechselnd eiförmigen und pfeilartigen Gebilden. Manchmal unten oder oben von einem Astragulus abgeschlossen. In der Antike besonders an ionischen Bauten.

Eklektizismus: (gr. Eklegein, auswählen) Kunst: Künstlertum, das sich der Stilmittel oder Motivgestaltung anderer meist historischer Meister und Epochen bedient. Vor allem in der Architektur des 19. Jahrhunderts (vgl. Historismus).

Entasis: griechisch Schwellung; sanfte Schwellung des griechischen Säulenschaftes. V. a. an dorischen Tempeln, an ionischen nicht zwingend.

Faltwerk: Gotik: Profile, die den Eindruck übereinander gefalteter oder gerollter Papiere erwecken. (engl.: linen fold, frz.: prohemien plié, holl.: brief paneel).

Fiale: in der got. Baukunst ein schlankes Türmchen als Bekrönung von Strebepfeilern und an Tür- und Fensterverdachungen. Der untere Teil (der vier-, auch achtseitige Leib oder Schaft) ist oft mit Maßwerk verziert, auch als Tabernakel gebildet und mit Giebeln versehen: der obere, pyramidenförmige Teil, der „Helm“ oder „Riesen“, ist mit Krappen besetzt und von einer Kreuzblume gekrönt.

Finial: Geschnitztes, gedrechseltes oder aus Metall gefertigtes Ornament am oberen Rand eines Möbelstücks als Abschluss.

Flamboyantstil: Stilbez. Für die frz. Spätgotik des 15./16. Jh., deren züngelndes Maßwerk (wie Flammen) der Fischblase entspricht.

Gate leg table: schmaler Tisch mit bügelartig herausdrehbaren Beinen, die als Stütze für hochklappbare Seitentischplatten dienen.

Gesprenge: aus schlank aufstrebenden Architekturgliedern (Fialen, Tabernakeln) bestehender, mit Figuren besetzter Aufbau über dem Mittelschrein spätgotischer Altäre.

Historismus: kritische, z.T. polemisch-abwertende Bez. Für geistes- und sozialwissenschaftl. Ansätze, die den Aspekt des Historischen mehr oder weniger stark in ihr Denken einbezieht. In der Kunstgeschichte prägte sich der H. im 19. Jh. als Versuch aus, die geistigen und sittlichen Vorstellungen vergangener, möglichst heroischer Epochen bes. archtiektonisch in die neuen Aufgaben zu integrieren.

Ikonographie: „Bildbeschreibung“, ursprünglich die Wissenschaft der Bestimmung von antiken Porträtdarstellungen. Als ihr Begründer gilt F. Ursinus, bes. erfolgreich war J. Bernoulli. In der 2. Hälfte des 19. Jh. wurde sie ein Zweig der Kunstgeschichte. Sie befasst sich mit der Erforschung und Deutung der Bildgegenstände zunächst der alten und mittelalterlichen, christlichen Kunst, heute auch mit profanen Gegenständen.

Jugendstil: Ursprünge: Deutschland, Österreich. Entstand aus Protest gegen das Gemisch historistischer Stile und industriell gefertigter Massenware des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Erster Stil, der sich „durch die Medien“ bis in die USA ausbreitete. Zwei Phasen: lineare und florale Ornamentik, später geometrischer. Ursprünglich nur für Typographie gedacht. Japanische Einflüsse. Ausgehend von William Morris und den Präraffaeliten. Viele Künstler bedienten sich den Anregungen des Jugendstils ohne sich ihm wirklich zu verschreiben. (Munch, Expressionismus, Fauvismus) Plakative Kunst (Toulouse-Lautrec, Mucha u.a.). In dieser Zeit wurden Werkstätten gegründet wie die Vereinigten Werkstätten für Kunst und Handwerk 1897 in München und die Dresdner Werkstätten für Kunsthandwerk 1898 in Dresden.

Knorpelwerk: (Ohrmuschelstil), ein nach der Renaissance die barocke Epoche andeutendes Ornament, das sich gegen 1620 in Nord- und Mittel-Deutschland und in den Niederlanden aus dem Beschlagwerk entwickelte.

Krappe: gotisches Formenelement: „Kriechblume“, im Maßwerk sitzende, knospen-, blüten- oder blattartige Gebilde.

Kredenz: „Serviermöbel“ Entwickelte sich durch Verlängerung der Füße aus der Stollentruhe. (Truhenkredenz). Später auch andere wie z. B. Treppenkredenz.

Lambrequin: andere Bez. für Schürze, geschnitztes Holzprofil, ähnlich eines aufgezogenen Vorhangs.

Lambris: der, („Vertäfelung“, von lat. Lambruska, „(Wild-) rebe“, nach den Rankenmustern). Hüft- oder brusthohe Wandverkleidung aus Holz, Marmor oder Stuck.

Maskaron: „große Maske“, Menschen- oder Fratzengesicht als Ornament in der Baukunst (bes. im Barock).

Maßwerk: gotisches Schmuckelement für Fenster und dergleichen. (Drei-, Vier- etc. Pass, Fischblase usw.) Mit Zirkel konstruiert.

– Maßwerk 1. Ordnung: äußere, stark hervortretende Form

– Maßwerk 2. Ordnung: darunter liegende, kleinere Elemente als Unterteilung

– Blendmaßwerk: Unterteilung von Wänden und Giebeln (nicht offen)

– Schleiermaßwerk: freistehendes Maßwerk vor einer Wand oder Nische ohne Glas oder als Brüstungsgeländer (offen)

Necessaire: Täschchen, auch Kästchen für kleine Gebrauchsgegensände.

Obelisk: frei stehende, rechteckige, spitz zulaufende Säule (in Ägypten paarweise vor Sonnentempeln aufgestellt).

Ohrmuschelstil: vgl. Knorpelwerk.

Perlmutt: Innerste Schicht von Muscheln und Schneckenhäusern.

Plinthe: Die niedrige, rechteckige oder quadratische Platte unter Säulen, Pfeilern, v.a. aber unter Statuen (auf der Basis).

Restauration: das Wiederauftreten von bestimmter Kunst oder Bauformen aus vergangenen Stilepochen: Wiedererweckung vergangener Stadien. Auch die Wiederherstellung eines früheren oft durch Revolutionen beseitigten politischen und gesellschaftlichen Zustandes.

Risalit: (risalire hervorspringen) in ganzer Höhe des Bauwerkes hervorspringender Gebäudeteil (Mittel-, Eck-, Seitenrisalit), bes. im Barock.

Romantik: keine Kunstepoche, sondern eine Geisteshaltung, die gegen Ende d. 18. Jh. im Kreis um Schlegel, Tieck und Novalis in Deutschland entstand und vor allem in der Malerei und Literatur (z.T. auch in der Architektur – v. a. Neugotik) ihren Ausdruck fand. Löste den Absolutismus und die Aufklärung ab. Neigung zum Wunderbaren, Gefühlvollen, Phantastischen. Ich-Bewusstsein (Subjektivismus), Rückwendung zur Volksdichtung und Idealisierung des Mittelalters; Sehnsucht nach dem Ursprunghaften. Förderung historischer Wissenschaften. Geisteshaltung führt zu einem gewissen Konservatismus, der sich der Restauration zur Verfügung stellt. Neue Sachlichkeit und Enge der Realitätsfassung führen dann zum Biedermeier.

Rundbogenstil: (vgl. Historismus) Seit etwa 1830 setzte sich der Rundbogenstil durch (H. Hübsch, F. v. Gärtner), der einen Kompromiss zwischen Klassizismus, Neugotik und funktionaler Architektur darstellt.

Rustikaquarder: vorwiegend aus der Renaissance stammendes und im Möbelbau vorkommendes Schmuckornament, das wie gemauerte Steine aussieht.

Settee: andere Bezeichnung für Sofa.

Tabernakel: (das) „Sakramentshäuschen“ 1. Kunstvoll gearbeiteter (im Mittelalter tragbarer) Schrein zur Aufbewahrung der gweihten Hostien (kath. Kirche) 2. Ziergehäuse mit säulengestütztem Spitzdach (für Figuren), v.a. in der Gotik.

Taburett: Niedriger Sitz ohne Lehne, Hocker.

Tempera: kurz für Temperafarbe, einer Farbe mit einer Emulsion als Bindemittel (meist Eigelb und einer Öl- oder Harzlösung). Auch Kasein-Tempera aus Kaseinleim und Leinölfirnis.

Tudor Style: der unter den Tudors bis zum Regierungsantritt der Königin Elisabeth (1558) vorherrschende Stil in der engl. Kunst: Kennzeichen: an Gotik festhaltende Richtung mit Einflüssen der italienischen Renaissance. Tudorbogen.

Tympanon: (oft mit Reliefs geschmücktes) Giebelfeld, Bogenfeld über Portalen, Türen oder Fenstern. Ursprünglich an Tempeln, später die figürlich geschmückten Portale an romanischen und gotischen Bauten.

Vergoldung: Feuervergoldung und Polimentvergoldung.

Wimperge: Ziergiebel, der Bereich über Türen und Fenstern. (Gotik). Oft von Fialen flankiert.

Wulst: Barocke, konvex ausgedehnte Profilleiste, meist im Fries eines Dachgebälkes (anstelle eines wulstartigen Karnieses).

Zackenstil: Spätromanik: zackiger Faltenwurf 1240 – 70), v.a. Niederrhein. Ggs. Muldenstil.

Zopfstil: Stilstufe der deutschen Kunst im Übergang von Rokoko zum Klassizismus, soweit in ihm das Bürgerliche, Lehrhafte, Nüchterne der Aufklärungszeit hervortritt. Die Bezeichnung geht auf die Haarmode des Zopfes zurück, der später als Merkmal für Steifheit und Unnatur galt. Die Aufdeckungen von Pompeji und Herkulanum (1736, 1718) beeinflussten die Architektur des Zopfstils und Empirestils.