Nur ein paar Pinsel…?

Pigmente für die Restaurierung

Historische Objekte verlangen nach besonders behutsamer und zurückhaltender Herangehensweise. Zunächst muss man sich bewusst machen: Wenn ein 200 Jahre altes Möbel nahezu unbeschädigt und unverändert bzw. unverfälscht bis heute überlebt hat, dann ist das eine Besonderheit, denn das ist nicht selbstverständlich. Gerade in den letzten Jahrzehnten, seit es für jeden Handgriff alle möglichen Werkzeuge und Produkte im Baumarkt gibt, wurde zahllosen Möbeln und anderen Gebrauchsgegenständen aus Holz mehr Schaden zugefügt als dass sie nachhaltig konserviert wurden. Ohne pauschale Anklagen in den Raum stellen zu wollen, ist es dennoch meistens entweder ein gut gemeinter Versuch oder eine kurzfristig modisch erscheinende Handlung (wie beispielsweise das Ablaugen von sehr wertvollen Bemalungen), die das Objekt schädigen. Nicht selten werden die Objekte dadurch in ihrem Wert minimiert, da die Veränderungen nicht mehr oder nur sehr schwer rückgängig zu machen sind. Die Restaurierung von Antiquitäten verlangt also ein hohes Maß an Kenntnis über historische Techniken, Materialien und Restaurierungsmethoden.

Sammlung an Edelfurnieren
Sammlung an Edelfurnieren

Wenn Fehlstellen aus konservatorischen Gründen oder auf Grund von Kundenwünschen originalgetreu ergänzt werden sollen, zahlt sich unser Materialfundus immer wieder aus: Wir haben eine Sammlung an alten, historischen und exotischen Hölzern, Edelfurnieren, altem Elfenbein und Horn, Schildpatt, Perlmutt und historischen Beschlägen und Schlössern – einiges davon über 150 Jahre alt. Jedes Hinzufügen von neuen (bzw. alten), also fremden Materialien wird stets fotografisch und/oder textlich dokumentiert, um auch nachfolgenden Nutzern ersichtlich zu machen, was Originalsubstanz ist und wo sich Ergänzungen oder Rekonstruktionen befinden.

Ebenso gründlich wie mit der Holzsubstanz verfährt ein qualifizierter Restaurator mit der gefassten (also „bemalten“) oder der veredelten (also „lackierten“) Oberfläche: Das Abbeizen ist nicht unsere Sache – meistens wird dadurch nämlich historische oder gar originale Oberfläche sowie die Patina unwiederbringlich zerstört. Unsere Maxime ist vielmehr das Konservieren, Regenerieren und gegebenenfalls Retuschieren oder Aufpolieren vorhandener Oberflächen unter Bewahrung der Patina. Natürlich nehmen wir auch schon mal Oberflächen ab: zum Beispiel jüngere und unerwünschte Anstriche. Hierfür kommen uns unsere zahlreichen Lösemittel, Lösemittelgemische, -pasten und -gele zugute. Je nach Bindemittel der historischen Oberfläche und des Neuanstriches lassen sich damit häufig sehr gut Schichten trennen: Die Neuere, Unerwünschte wird entfernt, während die Historische erhalten bleibt und wieder zum Vorschein kommt.

Auswahl an historischen Schlüsseln und Beschlägen
Auswahl an historischen Schlüsseln und Beschlägen

Für das Retuschieren, Regenerieren, Schützen, Polieren oder neu Aufbringen einer Oberfläche stehen uns zahlreiche Materialien zur Verfügung: Naturharzlacke wie Schellack in unterschiedlichen Varianten, Wachse, Wachsgemische, Pigmente, Farbstoffe, Bindemittel und Lösemittel. Dabei nehmen wir nicht einfach ein Produkt, das gerade in Mode oder bequem zu verarbeiten ist sondern wir bleiben stets im vorgefundenen Oberflächensystem, um die chemischen Eigenschaften und natürlich auch den Charakter der Oberfläche bzw. des Objektes zu bewahren.