Kurzüberblick über historische Naturharze

Schellack haben die meisten Leute schon einmal gehört. Aber was ist das? Ist das die einzige Oberflächenveredelung, die es früher auf Möbeln und Holzflächen gab? …

Da es sich bei Möbeln um Gebrauchsgegenstände handelt, ist es verständlich, dass diese im Laufe von 200 oder über 300 Jahren schon mehrmals überarbeitet wurden. Die Oberflächenveredelung auf Möbeln aus der Zeit vor dem Barock ist daher noch weitgehend unbekannt. Vermutlich waren diese Möbel in erster Linie geölt und/oder gewachst.

Die meisten, noch vorhandenen, transparenten Überzüge des Barock enthielten häufig u. a. Sandarak-Harz. Da dieses sehr spröde ist, war es oft mit Mastix oder Elemi gemischt. Eine der damaligen Methoden war, qualitativ hochwertige Lacke durch Aufstreichen und Schleifen und/oder Polieren aufzubauen. Da Lackuntersuchungen auf unterschiedliche Rezepturen hinweisen, wird vermutet, dass viele Möbelwerkstätten ihre eigenen Rezepte hatten.

Schellack war zwar schon im 17. Jahrhundert als Zusatzstoff für Lacke bekannt (u.a. mit Sandarak), wurde aber erst ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts als alleiniger Lack weit verbreitet. Das Handpolierverfahren, die Ballenpolitur, erlaubte das Herstellen hochglänzender Oberflächen. Waren mattere Oberflächen gewünscht, kamen Wachse oder Mischungen aus Wachsen und Harzen oder trocknende Öle zum Einsatz.

(In den 1920er Jahren kamen Nitrocellulose-Lacke (CN-Lacke) auf – kurze Zeit später in großen Mengen – die im Spritzverfahren aufgetragen werden).

Naturharze historischer Holzoberflächen und in der Restaurierung

Harzartige Ausscheidung der Lackschildlaus, Indien.

  • Eigenschaft: zähelastisch bis hart, hoher Glanz. Varianten mit und ohne Wachs
  • Löslichkeit: Spiritus, Alkohol, org. Säuren und wässr. Laugen
  • Verwendung: Firnisse, Möbellacke, Politur
  • Farbton: Braungelb bis rotbraun, auch gebleicht erhältlich

Harze fossiler Nadelbäume aus der Tertiärzeit, Ostseestrand. Gemisch aus oxidierten Harzsäuren und Harzalkoholen.

  • Eigenschaft: Fossil, oft mit Einschlüssen, hoher Schmelzpunkt (>300°C)
  • Löslichkeit: Verschiedene Öle, Alkohol
  • Verwendung: Herstellung harter, dunkler Lacke, auch Fußbodenlack
  • Farbton: hellgelb bis schwarzbraun

Harze tropischer Laubbäume, Afrika, Südostasien. Die günstigeren Sorten werden noch heute von den Bäumen gesammelt. Sonst Sammelbezeichnung für unterschiedliche, halbfossile (oft einige Jahrtausende alte) Hartharze. Je nach Herkunft u.a. auch Manila-, Kauri-, Kongo-, Sanzibar-, Sierra Leone-Kopal genannt. Häufiges Vorkommen im 19. Jahrhundert.

  • Eigenschaft: Rezent-fossil, ziemlich widerstandsfähig, tendentiell glänzend
  • Löslichkeit: Alkohol
  • Verwendung: Zusatz zur Herstellung hochwertiger Öllacke, z.B. Kutschenlack
  • Farbton: hellgelb bis dunkelbraun

Harze von Wacholder und Zypressen, vornehmlich Algerien und Marokko.

  • Eigenschaft: Wohlriechend, hart und spröde
  • Löslichkeit: Je nach Zusammensetzung Terpentinöl, Alkohol, Testbenzin
  • Verwendung: Firnisse, Überzüge oder als Zusatz für Ölfirnisse. Gelegentl. auf Barockmöbeln anzutreffen
  • Farbton: Anfänglich hellgelb, später bis zu rot

Harze von Kiefern und Fichten. Günstigstes Naturharz. Spezifische Namen oder Verwandte: Kanadabalsam (aus einer Föhrenart), Straßburger Terpentinbalsam (Weißtanne aus dem Elsass), Venezianer Terpentinbalsam (Lärchenterpentinbalsam u.a. aus Tirol). Häufiges Vorkommen erst ab dem 20. Jahrhundert.

  • Eigenschaft: Transparent, später stark gilbend und spröde. Langsam trocknend
  • Löslichkeit: Je nach Zusammensetzung Terpentinöl, Alkohol, Testbenzin
  • Verwendung: U.a. als Zusatz für Ölfirnisse
  • Farbton: Hellgelb bis braun

Harze tropischer Laubbäume, Sudaninseln („Katzenaugenharz“).

  • Eigenschaft: Kaum gilbend, wasserbeständig, relativ weich (je nach Herkunft)
  • Löslichkeit: Je nach Zusammensetzung Terpentinöl, Kohlenwasserstoffe, Aromaten
  • Verwendung: U.a. Zusatz für Ölfirnisse, und Temperafarben, gängigster Gemäldefirnis
  • Farbton: hell bis dunkel

Harze von Styrax-Sträuchern, Thailand, Indonesien.

  • Eigenschaft: wohlriechend, weich
  • Löslichkeit: Alkohol, Ether
  • Verwendung: Zusatz zur Herstellung feiner Spirituslacke; Polierzusatz für Schellack
  • Farbton: ursprünglich bräunlich

Harze einer Pistazienart, etwas härter als Dammar.

  • Eigenschaft: Weich, polar (anfällig gegen Feuchtigkeit), anfänglich glänzend
  • Löslichkeit: Alkohol, ätherische Öle
  • Verwendung: Zusatz zur Herstellung von Lacken (bei spröden Harzen, (Gemälde-) Firnissen und Bindemitteln
  • Farbton: farblos, wenn jung

Klassifizierung / Eigenschaften natürlicher Harze, Terpene

Chemisch kann man Harze nicht einheitlich klassifizieren: Sie sind komplizierte Gemenge aus Harzsäuren, Harzalkoholen, Harzestern, Kohlenwasserstoffen und anderen Verbindungen wie Wachse oder Öle. Die wichtigsten Harze und ätherischen Öle sind jedoch Terpene bzw. Terpenderivate. Terpene sind zyklische, ringförmige Polymerisationsprodukte des Kohlenwasserstoffs.

Mit Ausnahme des Schellacks sind Harze Ausscheidungen von Pflanzen, gelöst in ihrem natürlichen Lösemittel (ätherische Öle). Sie fließen bei Verletzungen aus den Bäumen (Wundverschluss) – zunächst zähflüssig (Balsam) und härten an der Luft, weil ihre natürlichen Lösungsmittel verdunsten. Sie sind wasserunlöslich und unterscheiden sich dadurch von den wasserlöslichen Pflanzengummen: Gummen sind wasserlösliche Ausschwitzungen aus einer Akazienart, die an der Luft erhärten und ein Harz bilden.

Einteilung natürlicher Harze nach Provinienz oder Aggregatzustand

Pflanzliche Harze

Fossil: Bernstein
Rezent-fossil: Kopale (Manila, Kauri, Kongo…)
Rezent: Kolophonium, Dammar, Mastix, Sandarak

Tierische Harze

v.a. Schellack

Einteilung der Harze nach ihrem Aggregatzustand: Hartharze (Resina) und Weichharze (Balsame)