Furnierte Nussbaumkommode Spätbiedermeier

Bei der hier vorgestellten Kommode waren die Laufbereiche der Schubladen und die Schubladen selbst stellenweise über 10 Millimeter abgelaufen. Dieses Schadensbild ist nach regelmäßiger Betätigung über Generationen hinweg sehr üblich. Es entsteht besonders dann, wenn die Laufbereiche lange Zeit nicht gewachst werden und somit die Holzsubstanz durch Abrieb peu a peu abgenutzt wird.

Instandsetzung bedeutet auch Konservierung

Im Gegensatz zu Museumsgegenständen werden alte bzw. historische Möbel im Privathaushalt regelmäßig benutzt. Daher muss neben der Konservierung im Sinne von Substanzerhalt oft auch Instand gesetzt werden, um weitere Schäden zu vermeiden. Wird dies unterlassen, werden die Schäden – wie in diesem Fall – durch das Verkanten und Verhaken schnell vergrößert.

Bei der vorliegenden Kommode mussten sowohl die Schubladenwangen als auch die Laufbereiche im Korpus der Kommode mit Holz ergänzt bzw. „aufgedoppelt“ werden.

Wird anschließend an diesen Stellen Wachs aufgetragen und gut einpoliert, kann der Holzabrieb verhindert werden.

Nach der Konsolidierung der Laufbereiche lassen sich die Schubladen wieder einwandfrei öffnen und schließen – ohne Ruckeln, ohne Hauen und ohne Schaden.

Schubladen reparieren bzw. Schubladen restaurieren lohnt sich

Die Investition auch in das Innere einer häufig benutzten antiken Kommode lohnt sich also auf jeden Fall: Das Objekt nur äußerlich etwas aufzuhübschen aber im Alltag regelmäßig nutzen zu wollen wäre an der falschen Stelle gespart und käme dem über Generationen erhaltenen Objekt nicht gerecht.

Restaurierte Schubladen eines Nussbaumschrankes

Häufig sind neben den beschriebenen Abnutzungserscheinungen der Schubladen auch die Eckverbindungen geöffnet oder gelockert. Der anzutreffende Klassiker: Spuren mehrerer Nachbesserungen in Form von Kraftklebern oder Nägeln. Idealerweise werden die historischen Eckverbindungen in ihrer originalen Form erhalten und gegebenenfalls dafür geöffnet, ergänzt und mit dem ursprünglichen Leim neu zusammengefügt.

Der vorliegende Schrank sollte in einer öffentlichen Garderobe regelmäßig und von verschiedenen Benutzern betätigt werden. Dafür war eine selbsttragende, geschraubte und somit reversible Konstruktion notwendig, die einen einfachen und geraden Lauf der stark abkippenden Schubkästen gewährleistet.