Selbstverständlich erhebt die kleine Sammlung der wichtigsten Begriffe rund um Restaurierungsmaterialien keinen Anspruch auf Vollständigkeit – sie soll nur einen kleinen Überblick verschaffen – für jeden Interessierten verständlich und in eigenen Worten. Dass – Dank des Alphabets – ausgerechnet das Abbeizen und Ablaugen zuerst kommt, ist eine kleine Ironie des Schicksals…

Abbeizen: Entfernen eines unerwünschten Anstriches, z.B. Dispersionsfarben, Zweikomponentenlacke, und Acryllacke etc. Abbeizmittel bestehen aus Mischungen organischer Lösemittel und zahlreichen, oft nicht nachweisbaren Zusatzstoffen und Verdickungsmitteln. Wegen der unbekannten Zusammensetzung werden Abbeizer bei uns nicht angewandt.

Ablaugen: Prozess, bei dem unerwünschte (vor allem ölhaltige) Anstriche entfernt werden. Das Ablaugen ist ein chemischer Vorgang (im Gegensatz zu lösen – physikalisch), bei dem fettsäurehaltige Anstriche verseift bzw. ölhaltige Anstriche in ihrer chemischen Struktur unwiederbringlich „geknackt“ werden. Die dafür verwendete Lauge ist relativ stark alkalisch.

Ablauger werden meist bei Ölfarben, Öllacken und Alkydharzlacken angewandt; bei modernen Lacken auf Wasserbasis (Acryllacke) und bei Dispersionsfarben wirken Laugen nicht. Mögliche Ablaugmittel sind alkalische, (ätzende) Flüssigkeiten wie beispielsweise Salmiakgeist, Natron- oder Kalilauge.

Bindemittel: Stoffe, mit denen feste Teilchen untereinander oder mit anderen Teilchen gebunden, verkittet oder verklebt werden. Es gibt chemische, mineralische oder organische Bindemittel. Organische Bindemittel sind Filmbildner (Aushärtung physikalisch – z.B. durch Trocknung oder chemisch – z.B. Polymerisation). Anorganische Bindemittel sind keine Filmbildner (Aushärtung z.B. durch Kristallisation)

ebeniste: von französisch ébéniste und das wiederum von ébène „Ebenholz“. Das Ebenholz galt als eines der ganz besonders wertvollen und exotischen Zierhölzer und somit wurden die Kunsttischler des 17. und 18. Jahrhunderts, die edle Einlagen aus Ebenholz aber auch aus zahlreichen anderen Edelhölzern anfertigten, ébéniste genannt.

Fette: siehe Öle

Lauge: wässige Lösung der Basen. Enthalten OH- -Ionen

Laugprozess, das „Laugen“: Die Behandlung mit Lauge stoppt bei den meisten Holzarten den Prozess des Nachdunkelns und Vergilbens nachhaltig. Einige Hölzer können sogar durch das laugen aufgehellt werden. Bei stark alkalischer Lauge bilden gerbstoffreiche Hölzer wie Eiche bilden unter Einfluss der Lauge gerbstoffsaure Salze, die eine graue bzw. dunkle Verfärbung verursachen – ein Effekt, der bei Eiche häufig absichtlich angewandt wird um einen „geräucherten“ bzw. „antiken“ Charakter zu erlangen.

Lösemittel: allgemein: Medium, das zum lösen oder anlösen von Oberflächen angewandt wird. Je geringer das Molekulargewicht, je höher der Dampfdruck, je niedriger die Viskosität und je höher die Oberflächenspannung eines Lösemittels, desto schneller kann es in die zu lösende Feststoffschichten eindringen. Die meisten Lösemittel sind weniger dicht als Wasser, ihr Dampf aber schwerer. Sie wirken physikalisch, in dem sie die Bindungskräfte der Moleküle des zu lösenden Stoffes aufheben. Vgl. Penetration, Retention, Polaritätsfaktor

lösen: physikalischer Vorgang (im Ggs. zu ablaugen). Der zu lösende Stoff bleibt erhalten, nur dessen Zustand und damit die Eigenschaft ändern sich. Die (sekundären) Bindungskräfte zwischen den Molekülen des zu lösenden Stoffes werden gesprengt und Wechselwirkungen zwischen Lösemitteln und den Stoffmolekülen treten ein.

Mineralölfraktions-Lösemittel: Stoffklasse: Gemische aus Alkanen (CnH2n+2) und / oder Cycloalkanen (CnH2n) und / oder Aromaten (CnHn). Hierzu zählen u.a. Benzine, Terpentinersatz, Lackbenzin, Petrolether, White spirt, Testbenzin, Mineralterpentin, Paraffin, Petroleum. Da es sich um Gemische handelt, kann keine konkrete Summenformel angegeben werden. Gutes Lösevermögen (oder zum Verdünnen) für Fette, Öle, Wachse, Paraffin, Bitumen u.a.

Neutralisation: notwendiger Prozess nach der Anwendung von Laugen auf Holz (oder nach dem Ablaugen) um den erhöhten PH-Wert wieder zu senken. „Säure-Base-Reaktion“. Reaktion zwischen Basen und Säuren unter Bildung von Wasser und Salz. Exothermer Vorgang, d.h. geringe Entstehung von Wärme. Säuren dissoziieren in wässriger Lösung in H+- und Säurerestionen (z.B. Cl-). Basen disoziieren in wässriger Lösung in Hxdroxidionen(OH-) und Metallionen (z.B. Na+). Säure + Base → Salz + Wasser.

Öle und Fette: Sammelbezeichnung für feste, halbfeste oder flüssige, pflanzliche oder tierische Produkte, die chemisch im Wesentlichen aus gemischten Glyceriniestern höherer Fettsäuren (Monocarbonsäuren), mit gerader Anzahl von Kohlenstofftatomen bestehen. Öle sind bei Raumtemperatur flüssig, Fette dagegen fest. Im Ggs. zu festen Fetten ist bei Ölen der Anteil an ungesättigten Carbonsäuren (Fettsäuren) größer. Öle sind leichter als Wasser und in Wasser unlöslich

1) fette Öle: Ester des Glycerins. Im Ggs. zu Fetten sind sie bei Raumtemperatur flüssig

2) ätherische Öle: Gemische aus verschiedenen Estern, Alkoholen und Ketonen

3) Mineralöle: Gemische aus flüssigen, überwiegend aliphatischen Kohlenwasserstoffen

a) nicht trocknende Öle: z.B. Klauenöl, Olivenöl u.a.

b) trocknende Öle, „Filmbildner“: z.B. Leinöl, Mohnöl, Walnussöl, Sonnenblumenöl u.a.

Öloberflächen:

In der Regel sind sie oxidativ gehärtet – also chemisch abgebunden unter Aufnahme von Luftsauerstoff. Es gibt aber auch moderne Produkte, die UV-gehärtet sind. Diese wirken lackartiger

Hartöle: Ohne Wachsanteile – nicht schichtbildend

Hartwachsöle: mit Wachsanteilen – schichtbildend

Wachse – schichtbildend

Die Nicht-Schichtbildenden lassen sich besser „auffrischen“

Oxidation: chemische Vereinigung von Elementen oder Verbindungen mit Sauerstoff, z. B. die Verbrennung von Kohle, das Rosten von Eisen oder das Aushärten von Ölen. Die Oxidation eines Elements führt zu einem Zuwachs seiner positiven Ladungsstufe (Oxidationszahl, Oxidationsstufe). Allgemein: Chemischer Prozesse unter Abgabe von Elektronen. Gegensatz: Reduktion.

Oxidationsmittel: Stoffe, die eine große Tendenz zur Elektronenaufnahme haben und deshalb andere Stoffe oxidieren können, indem sie ihnen Elektronen entziehen. V.a. Halogene und Sauerstoff (Edelgaskonfiguration), H2O2 u.a.

Paraffine: 1) Trivialname für Alkane 2) wachsartige Produkte, die aus Gemischen von höhermolekularen gerad- oder verzweigtkettigen Kohlenwasserstoffen bestehen

Penetrationsvermögen: „Wie gut bzw. wie tief ein Lösemittel in einen zu lösenden Stoff eindringt“. (vgl. Retentionsvermögen) Unter der Voraussetzung, dass es zu einer Benetzung des Feststoffs durch das Lösemittel kommt, nimmt die Penetration von Flüssigkeiten / Lösemitteln in porösen Feststoffen zu, je höher die Oberflächenspannung und je niedriger die Viskosität des Lösemittels ist. Zwei Unterscheidungen: 1) Kapillareffekt: Eindringen in Risse etc. 2) Diffusion: Molekularer Transport in die Feststoffschicht, welcher aufgrund der herrschenden Konzentrationsdifferenzen erfolgen wird. Je höher das Retentions- und Penetrationsvermögen, desto gefährlicher das Lösemittel.

Polaritätsfaktor (P`): Grobe Einteilung der Lösemittel nach ihrer Polarität: Schwach: P` < 3. Mittelstark: P` 3 – 5.5. Stark: P` > 5.5. Die Werte des P` variieren zwischen 0 für aliphatische Kohlenwasserstoffe und 10,2 für Wasser

Polymere: (Makromoleküle) Stoffe, die durch Polyreaktion entstehen, bei denen viele gleiche oder gleichartige Monomere miteinander verbunden werden. Drei Polyreaktionen:

Polymerisation: Bildung von Makromolekülen (Monomere an Polymere) aus vielen ungesättigten Verbindungen, keine Nebenprodukte. z. B. Ethylen: Polyethylen. Stufenlos; keine Oligomere.

Polykondensation: Bildung von Makromolekülen unter Abspaltung von kleineren Molekülen, z.B. Wasser. Z.B. : Ester + Wasser = Alk + Säure. Polykondensate: Polyester, Polyamide, Polycarbonate, Silikone. In Stufen; Oligomere

Polyaddition: Bildung von Makromolekülen bei gleichzeitiger Verschiebung von Protonen. Im Ggs. zur Polymerisation findet eine Umlagerung im Molekül des Monomeren statt. Z.B. EP, PU. In Stufen; Oligomere

Polymerisation: vgl. Polymere

Reduktion: 1) eine Reaktion, bei der einem Oxid Sauerstoff entzogen wird. Beispiel:

CuO + H2 = Cu + H2O. Der Wasserstoff ist dabei das Reduktionsmittel, das oxidiert wird. Genauer: Reduktion ist die Aufnahme von Elektronen durch Atome, Ionen oder Verbindungen. Das Reduktionsmittel wirkt reduzierend und wird selbst oxidiert. Ggs.: Oxidation

Reduktionsmittel: Ein Stoff, der eine große Tendenz zur Elektronenabgabe hat und deshalb die für eine Reduktionsreaktion notwendigen Elektronen zur Verfügung stellt. Starke R. sind alle Metalle, die leicht Elektronen abgeben. (unedle Metalle): Alkalimetalle und Wasserstoff.

Retentionsverhalten: (vgl. Penetrationsverhalten) Lösemittel: Die Retention ist die zurückbleibende Lösemittelmenge in Abhängigkeit von der Zeit nach Aufbringen von Lösemittel auf eine poröse Schicht. Nach dem oberflächlichen Abdampfen (Phase 1) beginnt die geschwindigkeitsbestimmende Phase 2; das Verdampfen aus den Schichten. Kategorisierung in Lösemittel mit sehr starker, starker, mittlerer und schwacher Retention. Je höher das Retentions- und Penetrationsvermögen, desto gefährlicher ist ein Lösemitel.

Rohdichte (des Holzes): ist definiert als Quotient aus Masse und Volumen des Holzes bei einer bestimmten Holzfeuchte. Sie liegt (bei fast allen Hölzern nahezu gleich) bei ps = 0,55 g/cm3 (bei 12% Holzfeuchte). Das bedeutet, dass die Rohdichte von Hölzern in linearem Zusammenhang mit dem Porenvolumen steht

Salmiakgeist: Trivialname für Ammoniakwasser. NH4OH. Salmiakgeist eine Lösung des gasförmigen Ammoniaks (NH3) in Wasser. Wird u.a. zum Entfernen (Ablaugen) alter Ölfarbanstriche verwendet. 1ml H2O löst 1l Ammoniak. Neben NH3- und H2O-Molekülen existieren hier durch geringe Dissoziation auch NH4+ und OH—Ionen.

Seifen: u.a. Natrium- und Kaliumsalze der höheren Fettsäuren. (z.B. Natriumstearat). Anionisches Tensid . Nur bei alkalischer Verseifung entsteht tatsächlich eine Seife. Name gilt aber allgemein für Produkte der Verseifung

– harte Seifen: Natriumsalze der Fettsäuren (Kernseifen)

– weiche Seifen: Kaliumsalze der Fettsäuren (Schmierseifen)

Seifen sind grenzflächenaktiv; d.h. sie setzen die Grenzflächenspannung herab und bewirken so eine Benetzung. Die Wascheigenschaften, (benetzend, dispergierend, emulgierend und absorbierend) basieren auf den zwei typischen Gruppierungen in den Verbindungen: die Hydrophobe (Kohlenwasserstoffrest) bewirkt die Grenzflächenaktivität, die Hydrophile (-COOH) die Wasserlöslichkeit. Beim Waschen werden die Schmutzeilchen von den Hydrophoben umhüllt, und das am hydrophilen Molekülteil angelagerte Wasser trägt den Schmutz in kolloidaler Form fort.

Seifen (bzw. spezielle Seifenprodukte) sind auch geeignet für alle mit Hartöl, Hartwachsöl oder Wachs behandelten Holzböden bzw. Möbel Möbel. Sie werden in diesen Fällen für das tägliche Reinigen genutzt und bilden einen hauchdünnen Film.

Tenside: (Seifen oder Detergentien) wasserlösliche, organische, nieder-molekulare Verbindungen, die die Oberflächenspannung des Wassers stark herabsetzen. Enthalten einen hydrophilen (polaren) und einen hydrophoben (unpolaren) Teil. Durch diesen „Zwittercharakter“ sind sie grenzflächenaktiv.

Verdunstungszahl (VZEther): Die Zeit, die eine bestimmte Menge eines Lösemittels unter bestimmten Bedingungen zum Verdunsten braucht, bezogen auf die Zeit, die Diethylether (VZ =1) dafür braucht. Bsp.: Ethanol: 8,3 und Diacetonalkohol: 147

Veresterung: Reaktion der organ. Chemie, bei der sich eine Säure mit einem Alkohol zu einem Ester und Wasser umsetzt. Säure + Alk. = Ester + Wasser. (Umkehrung: Verseifung)

Verseifung: Auflösung einer Verbindung zwischen einer Säure und einem Alkohol (=Ester) unter Wasseraufnahme (Hydrolyse). Ester + Wasser = Säure + Alk. (Ggs.: Veresterung) Bsp.: Wachs auf abgelaugter Truhe: basische Restsalze im Holz spalten die Fettsäuren der Wachse in Salze. (Seifen sind Salze der Fettsäuren)

Wachse: keine Definition, aber gemeinsame Eigenschaften: hydrophopbierendes Konservierungsmittel, sind mit Alkalien zu verseifen und können als Ester langkettiger Säuren und Alkoholen bezeichnet werden.

Weingeist: historischer Name für Ethanol

Zellulase: ein Enzym, das in vielen holzzerstörenden Mikroorganismen vorkommt und die Zellulose zu Glucose abbaut.

Zellulose: ein Kohlenhydrat aus der Gruppe der Polysaccharide. In einer 1,4-Verknüpfung wird es polymerisiert und bildet somit das tragende Grundgerüst des Holzes. (C6H10O5)n